David Goliath

Deutscher Schriftsteller

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Poesie


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28.10.2020

Ein sterbender Schwan

Kleine Mädchen bewundern dich.
Du bist das Vorbild, posierst recht verführerisch.
Die Kamera liebt dich; der rote Teppich schmeichelt dir.
Du räkelst dich in possierlicher Manier.

Ein stupides Objekt der Begierde.
Alles Lug und Betrug und hochmütige Zierde.
Nur ein leerer Körper ohne Moral.
Die Nummer eins bei der Herrenwahl.

Du bist ein Mannequin und siehst gut aus.
Deine makellosen Bilder lechzen nach Applaus.
Sie sind die Vorlage für wilde Fantasien.
Männer werden ausschließlich mit sich intim.

Befrei dich von den Ketten, dürrer Schwan, du musst dem entfliehen!

Anorexie.
Bulimie.
Schlankheitswahn.
Ein sterbender Schwan.
Nicht adipös,
trotzdem monströs.
Dein Schlankheitswahn.
Ein sterbender Schwan.

Die Dirne, die wie ein Kind aussieht.
Die Dame, die vor lauter Schwäche kniet.
Die Mutter, die sich wie ihre Tochter verhält.
Die Hausfrau, die beim Backen Kilokalorien zählt.

Iss mein Kind, damit du groß und stark wirst!
Die Welt ist grausam, denk an das Elend, das du jeden Tag hörst.
Sei keine Geisel dieser hässlichen Gesellschaft,
die dich reduziert auf deine optische Anziehungskraft.
Dein Wille wird gebrochen in der lebenslangen Beugehaft.



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