David Goliath

Deutscher Schriftsteller

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Poesie


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28.10.2020

Spielkamerad

Du spielst Soldat, bist aber Pazifist,
mal gut, mal böse, mal Terrorist.
Die Scheinwelt gaukelt dir Kontrolle vor …

Süchtig nach Befriedigung,
süchtig nach Vergnügen.
Eine Droge auf Knopfdruck,
ein Zauber voller Lügen.
Konditioniert durch bunte Bilder.
Welchen Wert hat digitales Silber?

Morgens Troll, mittags Fee, abends Prinzessin.
Die taube Hand zeitlebens Gespielin.
Du befiehlst, du erbaust, du zerstörst.
Hier hast du Macht, hier weißt du, wo du hingehörst.
Draußen bist du angreifbar,
virtuell, dagegen, mit gutem Karma.
Makabres Schlachtengetümmel
kommt dir vor wie das Paradies im Himmel.

Du verfettest,
du verdummst,
du vereinsamst,
du verstummst …

Den Spielstand kannst du speichern und laden.
Du kannst sein, wer du willst, genießt die Maskeraden.
Wenn etwas schief geht, fängst du von vorne an.
Warst schon oft verarmt oder nicht im Abspann.

Während alldem zieht dein Leben an dir vorbei.
Du stinkst, dein Körper leidet – das ist dir einerlei.
Dein Hirn wird zu Brei, deine Sehkraft degeneriert.
Dein Geist ist blockiert, deine Entwicklung stagniert.

Der Apparat ist dein Spielkamerad.
Deine Realität hängt am Spielgerät.
Gebannt vorm Bildschirm, gefesselt am Stuhl.
Das ist das Fenster zum Sündenpfuhl.

Manchmal eins, manchmal null.

Deine Flucht aus der realen Welt
ist noch nicht beendet.
Denn physisch bist du doch kein Held,
lediglich im Netz der Toten gestrandet.



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