David Goliath

Deutscher Schriftsteller

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Poesie


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28.10.2020

Exil

Kein Fenster. Eine Wand. Keine Tür. Ich verliere den Verstand.
Ein Kerker. Ein dunkles Loch. Mein Gefängnis. Nur Stiefel besitze ich noch.

Verjagt, gedemütigt, vertrieben. Einzig meine Existenz ist mir geblieben.
Verurteilt, gebrandmarkt, deportiert. Jetzt weiß ich, dass Gerechtigkeit nirgends existiert.

Ein kleiner Schacht führt nach oben. Ich höre sie trampeln, ich höre sie toben.
Täglich ein Stück trockenes Brot. Sie feixen und spotten und verzögern meinen Tod.

Mein Sarg in den Mauern, die mich umgeben.
Bewehrter Stein begrenzt Tod und Leben.

Ich lasse meinen Körper rotieren, kann aber keinen Ausweg lokalisieren.
Tausendfacher Schall will mich irritieren. Werde verhungern, werde erfrieren.

In die Ecke gekauert, wo die Notdurft lauert.
Der Gestank hält mich wach. Kein Gefühl für Tag und Nacht.

Die Anklage lautet: Hochverrat,
eingestuft als Attentat
auf die Grundfeste der Demokratie,
doch eine Wahl hatte ich nie.
Worte mit Waffengewalt niedergeschlagen.
Die Wahrheit in Ketten fortgetragen.
Ein freies Dasein war das Ziel,
nun sitze ich hier fest, im Exil.

Wer entscheidet wann ich scheide?

Feuchtes Gestein. Kalte Wände. Schwaches Gebein. Es naht das Ende.
Mauerwerk und Ungeziefer stumme Zeugen. Sinke tiefer, werde mich niemals beugen.

Die Sehnsucht meiner Träume heißt Freiheit.
Der letzte Freund an meiner Seite ist die Dunkelheit.
Verenden werde ich in Einsamkeit.
Kann es kaum erwarten, wann ist es soweit?

Obwohl meine Knochen brechen, wenn sie auf die Wand eindreschen,
kann ich nicht damit aufhören mir meine Hand zu zerstören.
Ich lasse meinen Körper rotieren, kann aber keinen Ausweg lokalisieren.
Muss ich mein Schicksal akzeptieren, im Exil zu krepieren?



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